Archiv Radiologie und Recht

Arzthaftung und Patientenrechte

Der Radiologe unterliegt, ebenso wie andere Ärzte, der Haftung für Behandlungsfehler aus Vertrag und Delikt. Anders als bei therapeutisch tätigen Ärzten treten Fehler bei diagnostischen Maßnahmen jedoch in erster Linie aufgrund von sog. Befunderhebungs- und Diagnosefehlern auf. Ein Befunderhebungsfehler liegt vor, wenn elementar gebotene Befunde nicht erhoben wurden. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn die Befunderhebung zur Abwehr schwerer Gesundheitsrisiken oder Gesundheitsschäden ersichtlich erforderlich war (z.B. keine Durchführung einer Mammografie bei tastbaren Knoten oder anderen anerkannten Verdachtsmomenten).

Ein Diagnosefehler ist demgegenüber bei der fehlerhaften Auswertung eines Röntgen- oder Schnittbildes gegeben. Der Radiologe übersieht einen Befund, der auf dem Röntgenbild ersichtlich ist. Infolgedessen unterbleiben weitere notwendige Behandlungsmaßnahmen. Die falsche Auswertung erhobener Befunde führt nicht in jedem Fall zu einem Behandlungsfehler. Diagnosefehler beurteilt die Rechtsprechung eher mit einer gewissen Zurückhaltung als Behandlungsfehler, da der Arzt in der Diagnostik einen gewissen Beurteilungs- und Entscheidungsspielraum besitzt. Darüber hinaus kann die Auswertung von Röntgenbildern schwierig sein, wenn das technische Ergebnis keine eindeutige Deutung zulässt. Ferner sind Röntgendiagnosen vorläufige Diagnosen und daher mit hohen Unsicherheitsfaktoren belastet. Solange Röntgenbilder durchaus nachvollziehbar gedeutet werden, wenn eine andere Diagnose nicht auf der Hand lag und wenn die Diagnose nicht völlig abwegig, sondern vertretbar war und der Krankheitsverlauf keine Besonderheiten aufwies, die Kontrollbefunde indizierten, ist demnach auch bei einer falschen Diagnose nicht von einem Behandlungsfehler auszugehen. Ein Diagnosefehler liegt hingegen vor, wenn das diagnostische Vorgehen und die Bewertung der durch diagnostische Hilfsmittel gewonnenen Ergebnisse für einen gewissenhaften Arzt nicht mehr vertretbar erscheinen.

2017

Haftung für fehlerhafte Leitlinien, Stellungnahmen und Empfehlungen
RÖFO-BEITRAG 11/2017
Irren ist menschlich: Haftung wegen Diagnose- und/oder Befunderhebungsfehlern sowie Aufklärungsfehlern im Rahmen des Mammographie-Screenings
RÖFO-BEITRAG 08/2017
Rechtliche Anforderungen an den Umgang mit Behandlungsdokumentationen bei Praxisaufgabe und Praxisverkauf
RÖFO-BEITRAG 03/2017
Die Bedeutung der wirtschaftlichen Aufklärung gegenüber Privatpatienten bei Erstattungslücken
RÖFO-BEITRAG 01/2017

2016

Aktuelle Anforderungen der Rechtsprechung an die Belehrung gegenüber Wahlleistungspatienten
RÖFO-BEITRAG 11/2016
Ärztliche Aufklärungspflichten bei diagnostischen Röntgenuntersuchungen (2. Teil)
RÖFO-BEITRAG 03/2016
Ärztliche Aufklärungspflichten bei diagnostischen Röntgenuntersuchungen (1. Teil)
RÖFO-BEITRAG 02/2016
Rechtliche Anforderungen an Röntgenuntersuchungen zur Altersbestimmung
RÖFO-BEITRAG 01/2016

2015

ASV-Beschluss zu gynäkologischen Tumoren – Keine Berücksichtigung des allgemein anerkannten Standes der medizinischen Erkenntnisse durch den G-BA
RÖFO-BEITRAG 09/2015
Das GKV-Versorgungsstärkungsgesetz - unter Berücksichtigung der letzten Änderungsanträge von CDU/CSU und SPD
RÖFO-BEITRAG 07/2015
Stellungnahme der Deutschen Röntgengesellschaft e.V. (DRG) zu dem Entwurf eines Gesetzes zur Bekämpfung von Korruption im Gesundheitswesen
RÖFO-BEITRAG 06/2015
Die Grundsätze der horizontalen Arbeitsteilung zwischen Radiologen und anderen Fachärzten in der aktuellen arzthaftungsrechtlichen Rechtsprechung
RÖFO-BEITRAG 05/2015
Verantwortlichkeiten der MRT-Anwendung in der Forschung
RÖFO-BEITRAG 02/2015
Aktuelle Rechtsfragen der Genehmigungspraxis in der Teleradiologie
RÖFO-BEITRAG 01/2015

2014

Zur Kontrollpflicht des Orthopäden hinsichtlich schriftlicher Befunde des Radiologen
RÖFO-BEITRAG 7/2014

2013

Unterlassen des Mammografie-Screening als grober Behandlungsfehler
RÖFO-BEITRAG 11/2013
Zwingendes Antragserfordernis — Genehmigungsbedürftige Leistungen nach der Vereinbarung zur Strahlendiagnostik und -therapie
RÖFO-BEITRAG 10/2013
Vornahme einer digitalen Subtraktionsangiografie bei einer superfiziellen Siderose - Aufklärung über die Erfolgschancen des diagnostischen Eingriffs
RÖFO-BEITRAG 4/2013
Informations- und Aufklärungspflichten nach dem Patientenrechtegesetz - Was ist insbesondere im Hinblick auf sozialrechtliche Leistungsgrenzen zukünftig zu beachten?
RÖFO-BEITRAG 1/2013

2012

Regierungsentwurf des Patientenrechtegesetzes — Haftungsfelder in der Radiologie heute und morgen
RÖFO-BEITRAG 8/2012

2011

Zulässigkeit der Aufklärung über die Diagnoseverfahren CT und MRT durch eine MTRA
RÖFO-BEITRAG 7/2011

2009

Haftung des Radiologen bei Delegation von Injektionsleistungen auf MTRA
RÖFO-BEITRAG 1/2009

2008

Ordnungsgemäßen Aufbewahrung von Krankenunterlagen
RÖFO-BEITRAG 3/2008

2007

Kontraindikationen bei Kontrastmitteln — Aufklärung und Haftung
RÖFO-BEITRAG 11/2007
Anmerkung zum Urteil des OLG Koblenz vom 30.11.2006, Az.: 5 U 209/06 - Haftungsrechtliche Fallstricke bei radiologischen Befundungen
RÖFO-BEITRAG 10/2007
Derzeitige Rechtslage in nicht zugelassenen Anwendungsgebieten - Kontrastmittel im Off-label-use
RÖFO-BEITRAG 8/2007
Die Zulässigkeit der Delegation von Kontrastmittelinjektionen an nicht-ärztliches Hilfspersonal in der radiologischen Praxis
RÖFO-BEITRAG 6/2007

2006

Zeitpunkt und Umfang der ärztlichen Aufklärung vor Kontrastmittelinjektionen
RÖFO-BEITRAG 9/2006
Zur Haftung des Arztes bei unterbliebener Mammographie zur Früherkennung - Vorliegen eines Diagnosefehlers bei Nichtanwendung einer umstrittenen neuen Methode
RÖFO-BEITRAG 7/2006
MRT ohne Gehörschutz ist kein Behandlungsfehler
RÖFO-BEITRAG 5/2006

2004

Anamnesepflicht und rechtfertigende Indikation nach §23 RöV (Ergänzung zu dem Beitrag in RöFo 6/2004)
RÖFO-BEITRAG 8/2004
Anamnesepflicht vor Durchführung einer Auftragsleistung?
RÖFO-BEITRAG 6/2004